"... dann jage we die Vu ..."
Wenn et Fastelovend ös,
dann jage we die Vu.
Eier, Eier in dä Korf,
Läeverwursch dotu.
Lot dat Metzke senke,
in die dicke Schenke,
Möhn, Möhn, Möhn.
Lot mech net su lang he stoahn,
ich mot noch en Hüske wier john,
en dat Bäckersch Hüske,
do wont en kleen Müske,
wenn dat Müske Honger hät,
dann röpt dat Müske piep, piep, piep.
Das Lied, mit welchem die Kinder alljährlich zur Karnevalszeit durch die Straßen ziehen und an den Haustüren um Süßigkeiten bitten. Es wird von Generation zu Generation weitergegeben, ohne vielfach zu wissen, was dieser plattdeutsche Text bedeutet.
Das Wort Vu ist von dem niederländischen "Fooy" (fooi) abgeleitet und heißt soviel wie Eintritts- oder Abschiedsschmaus und Trinkgeld oder milde Gabe an Dienstboten odet Bettler. Die Vu-Jäger haben also ihren Namen davon, dass sie Geld oder Lebensmittel und Süßigkeiten zur Fastnachtszeit zusammenbetteln.
Es ist ein uralter Brauch am Niederrhein. In dem Buch "Geschichte der Familie Schenk von Nydeggen" wird berichtet, dass im Jahre 1720 die Bewohner von Afferden für ihre Kinder das Recht die "Voy" zu jagen und das Erbettelte in der Schule zu vertrinken, als eine Gerechtigkeit, "welche von 100 zu 100 Jahren im Gebrauche gewesen", verteidigen.
{mosquelle}Oedter Heimatblätter Heft 5/1977 S. 54{/mosquelle}
Ich bin recht froh diesen Text gefunden zu haben, da ich als nichtgebürtiger Oedter so meine Schwierigkeiten mit dem Text hatte. Wer die Abhandlung im Oedter Heimatblatt niedergeschrieben hat, steht leider nicht dabei.
Mir war dieser Brauch bisher nur aus Oedt bekannt. Dass es sich hier um einen niederrheinischen Brauch handelt, wusste ich noch nicht. Ich kenne aus meinem Geburtsort Breyell eigentlich nur die Singerei zu St. Martin.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 29. April 2012 07:26