Erstmals wird die Kapelle an der heutigen Johannes-Girmes-Straße in Oedt in einem Visitationsbericht von Oktober 1668 erwähnt. In dem 1842 von Pfarrer Conrad Lucas angelegten Lagerbuch über die Vermögenswerte der St.Vitus-Pfarre wird die Kapelle aber nicht aufgeführt. Daraus läßt sich schließen, dass sie als Feldkapellchen betrachtet wurde, die der Obhut der Bewohner unterstand. 1887 war das Kapellchen jedoch in einem so schlechten Zustand, dass Pfarrer Billen dem zuständigen Bischöflichen Generalvikariat in Münster von dem Angebot der Mülhausener Witwe Heinrich Hinkes berichtete "das an der Mülhauser Chaussee gelegene, dem Hl.Vitus geweihte Heiligenhäuschen, welches sehr baufällig ist, durch ein neues zu ersetzen."
Die neue St.Vitus-Kapelle wurde noch 1887 im neugotischen Stil fertiggestellt und wegen des Kulturkampfes erst am Vitusfest 1888 konsekriert. Auch die darin befindliche Vitusfigur stammt aus dieser Zeit und bedarf mittlerweile einer Restauration. Aus diesem Grunde veranstaltete die Oedter St.Vitus Schützenbruderschaft, die seit 1980 die Patenschaft für die Pflege der Kapelle übernommen hat, nach der Vitus-Prozession zum Jubiläum einen Frühschoppen mit Umtrunk und Imbiss an der Kapelle. Der Erlös soll der Erneuerung der Vitusfigur zu Gute kommen. Auch der Förderverein Kath. Kirchengeminde St. Vitus unterstützte diesen Zweck bereits im Vorfeld durch den Verkauf von gelb-weißen Vitus-Ansteckfähnchen. Diese sollten ein sichtbares Zeichen für den Glauben und den gemeinsamen Weg sein, denn die Vitustracht darf sich nicht nur in Denkmalpflege erschöpfen. An der Prozession nahmen zahlreiche Gemeindemitglieder, die Pfadfinder, die Kolpingfamilie, die Schützenbruderschaft und mehr als ein halbes dutzend Messdiener, erstmals auch die 8 neuen Messdiener aus dem diesjährigen Kommunionjahrgang, teil. In seiner Predigt ging Pfarrer Dr. Scheulen zum einen auf die Historie der Kapelle und ihre Erbauung durch die Spende einer Mülhausener Witwe ein. Zum anderen hob er hervor, dass die Bedeutung der Vitustracht unterstrichen wurde durch die Teilnahme der Geistlichen aus dem gesamten Dekanat Kempen, eben durch "Communio", die heute in Zeiten von Gemeinschaft der Gemeinden, Kirchengemeindeverbänden und Fusionen mehr denn je wieder in den Vordergrund rückt. An der Vitus-Wallfahrt nahmen die Einwohner Mülhausens auch dann noch teil, als sie ihre eigene Kirche erhielten und von der Mutterpfarre getrennt wurden. So markiert der zweite Oedter Sakralbau nicht die nördliche Grenze unsere Pfarrgemeinde, sondern ist ein Zeichen der Verbundenheit.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 29. April 2012 07:26